Getreidearten:
Alle Getreidearten gehören botanisch zu den Kulturgräsern, die sich aus
Wildgräsern entwickelt haben. Wie dies geschah, weiß man nicht. Das
Getreidekorn ist von Natur aus dazu bestimmt, die Fortpflanzung und
damit die Erhaltung der Pflanze zu sichern.
Der Mensch erkannte sehr früh den Wert des Getreides als
Nahrungsmittel. Bereits in der Steinzeit kannte man schon verschiedene
Getreidearten. In den Grabkammern der Pyramiden fand man Gerste und
Emmer aus dem 5. und 6. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung. In alten
Keilschriften um 4000 v. Chr. wird in Mesopotamien der Anbau von Hirse,
Gerste und Weizen erwähnt. Roggen taucht erst später in der Geschichte
der Kulturpflanzen auf (1800 bis 1000 v. Chr.). Aus einfachen Anfängen
heraus ist heute eine hochentwickelte Ackerbautechnik entstanden, die
zu
einer gewaltigen Steigerung der Erträge geführt hat.
Die wichtigsten Abschnitte im Getreideanbau sind Aussaat, Befruchtung,
Reife und Ernte. Nach der Zeit der Aussaat unterscheidet man zwischen
Winter- und Sommergetreide. An der Spitze des im Frühjahr sprießenden
Halmes entsteht der Fruchtstand, der die Blüten trägt, aus denen sich
nach der Befruchtung die Getreidekörner entwickeln.
Weizen
Beim Weizen wird die Befruchtung durch Selbstbestäubung in der eigenen
Blüte hervorgerufen. Man kennt heute über 12.000 Weizensorten, die nach
der Abstammung in drei Reihen gegliedert sind:
* Spelzreihe
hierzu gehören die zur Mehlherstellung
verwendeten Sorten
* Emmerreihe
hierzu zählt der Durumweizen (Hartweizen)
* Einkornreihe
Weizen lässt sich heute sehr gut vermahlen und backen. Die Mahl- und
Backfähigkeit ist von den klimatischen Bedingungen während der Reife-,
Entwicklungs- und Erntezeit sowie vor allem von der Sorte abhängig.
Noch
vor 50 Jahren war es in Deutschland unmöglich, ein zufriedenstellendes
Weizenmehl aus reinem Inlandsweizen herzustellen. Man hat immer mit
ausländischem "Qualitätsweizen" aufmischen müssen. Durch die Erfolge
von
Züchtern und Landwirten kommt man heute ohne Auslandsweizen aus. Die
Einführung der Stickstoffdüngung hat nochmals die Qualität wesentlich
gesteigert.
Von den Weizen der Emmerreihe leiten sich die Hartgrießweizen
(Durumweizen) ab. Aufgrund der Härte und der glasigen Struktur ist dies
der typische Weizen für die Hartgrießherstellung zur
Teigwarenfabrikation. Die Hauptanbauländer sind Amerika, Kanada und
Argentinien.
Roggen
Roggen ist ein Windbestäuber. Dadurch wird die Reinhaltung einer Sorte
sehr erschwert. Die wichtigste Sorte ist der Petkuser Roggen, auf
schweren Böden wird auch Carsten- Roggen angebaut. Man unterscheidet
zwischen dünnschaligem Sandroggen und dickschaligem Gebirgsroggen. Die
Hauptanbaugebiete des Roggen liegen in Mittel- und Ostdeutschland,
Polen, Tschechien, Russland und in Kanada, Amerika und Argentinien.
Außer als Brotgetreide wird Roggen auch in erheblichen Mengen als
Futtergetreide angebaut. Hauptsächlich wird Winterroggen angebaut.
Sommerroggen ist zwar eiweißreicher, bringt aber schlechtere Erträge;
der Anbau von Roggen ergibt generell einen geringeren Ertrag als bei
anderen Getreidesorten. Andererseits ist Roggen sehr winterfest und
wächst auch auf leichten Sandböden.
Das Roggeneiweiß bildet keinen Kleber aus wie beim Weizen, somit sind
Brotteige aus Roggenmehl schwieriger zu verarbeiten. Dafür hat
Roggenbrot einen herzhaften, aromatischen Geschmack, ist länger haltbar
und hat eine gute Schnittfestigkeit infolge geringerer Neigung zum
Altbackenwerden.
Hafer
Hafer unterscheidet sich grundsätzlich von anderen Getreidearten durch
die Form seines Fruchtstandes, der Rispe. Hafer ist in seinen
Ansprüchen an Klima und Boden sehr genügsam und daher sehr verbreitet.
Er braucht aber viel Feuchtigkeit. Hafer wird praktisch nur als
Sommergetreide angebaut und als Futtergetreide sowie zur
Nährmittelherstellung verwendet (Haferflocken, -grieß, -mark, -grütze,
-mehl). Hafererzeugnisse sind sehr gut verdaulich und für die
Jungtieraufzucht sowie als Kinder- und Krankennahrung besonders
wertvoll. Zur Brotherstellung ist Hafer ungeeignet.
Der Haferkern hat eine hohen Fettgehalt, wodurch die Haltbarkeit der
Haferprodukte sehr beeinträchtigt wird. Durch entsprechende Präparation
(Dämpfen und Darren) wird die Wirkung der Enzyme geschwächt, die das
Bitter- und Ranzigwerden hervorrufen. Auch wird die Ablösung der
Spelzen
dadurch begünstigt. Der Spelzenanteil liegt bei 20 bis 45 % und ist
nicht mit dem Korn verwachsen. Nach der Farbe der Spelzen unterscheidet
man
* Weißhafer
für Nährmittel bevorzugt
* Gelbhafer
für Futterzwecke
* Schwarz- oder Braunhafer
sehr anspruchslos, wird kaum noch
angebaut
Hirse
Beim Hirseanbau unterscheidet man vier Arten, die verschiedenen
Pflanzengattungen angehören.
* Rispenhirse, auch japanische Hirse
Anbau in Südosteuropa und Japan
* Kolben- oder Borstenhirse
Anbau in Kleinasien
* Kaffern- oder Mohrenhirse
unterscheiden sich von den anderen
Hirsearten dadurch, dass das Korn viel größer ist und aus den Spelzen
herausragt.
Gerste
Gerste ist die Getreideart mit der kürzesten Wachstumszeit und zählte
deshalb früher in arktischen Gebieten teilweise als Brotgetreide.
Reines
Gerstenbrot neigt zur Rissbildung und zum Krümeligwerden.
Hauptverwendung findet die Gerste zum Brauen und als Futtermittel,
ferner zur zur Herstellung von Malzmehl, daneben zur Herstellung von
Graupen, Grützen und Ersatzkaffee.
Die meisten Gerstensorten sind stark begrannt und die Spelzen sind fest
mit der Frucht verwachsen. Botanisch unterscheidet man nach der
Ährenform:
* sechszeilige Gerste
wird nur im hohen Norden und in
Alpengebieten angebaut, ist aussterbend
* vierzeilige Gerste
zur Graupen- und Grützeherstellung
* zweizeilige Gerste
findet bei niedrigem Eiweißgehalt,
voller Kornausbildung und guter Keimfähigkeit als Braugerste Verwendung
Mais
Mais wird hauptsächlich in Nordamerika, Argentinien (Plata- Mais) und
in Südafrika angebaut. Die europäischen Anbaugebiete sind Österreich,
Norditalien, Spanien, Portugal, Frankreich und Deutschland. Mais hat
einen guten Futterwert und bietet dem Bauern hohe Erträge bei einer
günstigen Fruchtfolge und einer guten Mechanisierbarkeit.
Von den anderen Getreidearten unterscheidet sich der Mais durch seine
große, aber unterschiedliche Kornform. Die Pflanze ist sehr blattreich
und wird mit ihrem dicken Stängel bis zu 3 Meter hoch. Die Körner
sitzen
in einer Spindel, die von Blättern dicht umhüllt sind. Die ganze Frucht
ist von einer dicken Schale umgeben. Die Form und die Farbe der Körner
ist bei den verschiedenen Sorten sehr unterschiedlich. Die Farbe der
Körner ist weiß, gelb, rötlich bis violett. Die größten Maiskolben
enthalten 800 bis 1000 Körner, die kleineren Arten etwa 200 Körner. Zur
Brotherstellung wird Mais kaum verwendet.
Vor allem in Südosteuropa und in Mexiko werden aus Maisgrieß
Nationalspeisen hergestellt: Polenta, ein steifer Maisbrei, und
Mamalija, ein Fladengebäck als tägliche Hauptspeise. In Form von
Cornflakes wird Mais heute weltweit verzehrt. Aus den Maiskeimen wird
Öl
gewonnen, ferner wird aus Mais Stärke und Trauben- bzw. Fruchtzucker
hergestellt. In den USA gibt es gegen 100 verschiedene Maisprodukte.
Als nach dem Krieg in Deutschland das Getreide knapp war, hat man Hilfe
aus Amerika gerne angenommen. Dummerweise hat man den Wunsch nach
Weizen
mit dem Begriff "Corn" ins Englische übersetzt, so dass tonnenweise
Mais
geliefert wurde. Die Müller und Bäcker hatten damit sehr große
Probleme,
da sie darauf überhaupt nicht vorbereitet waren.
Reis
Die Hälfte der Menschheit ernährt sich schon seit Jahrtausenden von
Reis. Reis ist die Brei- und Getreidepflanze des ganzen südlichen
Asiens
einschließlich China, Japan und Indonesien. Reis ist die eiweißärmste
und stärkereichste Getreideart, leicht verdaulich und - neben Mais -
mit
den höchsten Erträgen. Das größte Anbaugebiet liegt in Indien und in
den
südlichen USA. In Europa wird Reis in der Poebene Italiens, in den
Flussniederungen Spaniens sowie in Ungarn angebaut.
Reis ist ein Sumpfgras, braucht also viel Feuchtigkeit. In Asien sind
die Reisfelder während der ganzen Anbauzeit überflutet. Außerdem wird
der Reis als Setzling gepflanzt. In den anderen Ländern wird der Reis
ausgesät. Reis hat wie Hafer eine Rispenform. Die reife Frucht enthält
begrannte und unbegrannte Spelzen, die durch Schälen entfernt werden.
* Paddyreis ist ungeschält
* Cargoreis ist teilweise geschält
* Braß- oder Brayreis ist komplett geschält
Der Reis gelangt gewöhnlich als Cargo zu den europäischen Reismühlen.
Durch Schälen oder Schleifen werden die dünne Fruchtschale, das
"Silberhäutchen", und der Keim entfernt. Bei einseitigem Genuß von
poliertem Reis wird die Vitamin B- Mangelkrankheit Beri-Beri
hervorgerufen, die zum Tode führen kann. In den Hauptverbrauchsländern
wird deshalb vielfach der Rohreis verzehrt. Eine weitere Abhilfe ist
das
"Parboiling"- Verfahren. Dabei werden die Reiskörner unter Druck
eingeweicht, so dass die Vitamine aus der Schale in den Mehlkern
wandern. Danach werden die Körner getrocknet und poliert. So werden
etwa
80 % der Vitamine gerettet. Neben dem Schälverfahren unterscheidet man
die unzähligen Reissorten nach der Kornform.
* Langkornreis, auch "Patnareis", hat lange,
schlanke Körner und einen trockenen, glasigen Kern. Er eignet sich
aufgrund der körnigen Kocheigenschaften gut als Hauptgericht und
Beilage.
* Rundkornreis, auch "Milchreis", ist kalkig-weiß,
der Kern weich und klebrig. Weil die Körner viel Stärke abgeben, wird
das Kochwasser milchig. Also wird er für Milchreisgerichte und
Süßspeise
verwendet.
Buchweizen
Buchweizen ist kein Getreide, sondern gehört zu den Knöterichgewächsen.
Trotz seiner Anspruchslosigkeit in Bezug auf den Boden und seines
raschen Wachstums wird er so gut wie nicht mehr angebaut. Grund sind
schlechte Erträge, eine wertlose Schale, eine schlechte Trennung der
Samenhaut vom Mehlkörper und eine schlechte Backfähigkeit des Mehles.
Verwendung findet Buchweizen als Spezialitäten- und Diätnahrung.
Quelle: ASI Informationen 8.03/86
Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gaststätten
Mannheim